Materialien für den Peitschenbau

Materialien für den Peitschenbau

Nylon-Peitschenbau

Hiermit möchte ich mal ein paar allgemeine Ansichten und Erfahrungen rund um das Thema des Peitschenbaus geben. Ich beziehe mich hier in erster Linie auf meine Erfahrungen aus der Praxis. Aber auch auf verschiedene Ansichten und Erfahrungen anderer Peitschenbauer.

Zuerst sei gesagt, dass es in den meisten Fällen kein richtig oder falsch gibt, sondern einfach unterschiedliche Ansichten, Methoden und Erfahrungen. Ich möchte mich hier neutral auf unterschiedliche Baumethoden, ihren Eigenschaften und die unterschiedlichen Materialien die zum Einsatz kommen beziehen.

Nylon Bullwhips:

Eine Nylon Bullwhip benötigt nicht zwingend einen Aufbau mit geflochtenen Bellies (Schichten) um ein vernünftiges ausrollen zu erzielen. Es gibt auch die „Single bellie oder Nonebellie-Methoden“. Der Aufbau einer Single Bellie Whip kann wie folgt sein:

  • Shotbag mit bb´s (kleine Stahlkugeln), Kugelkette aus Metall in einem leeren Nylonstrang

  • Lose Nylonstränge in unterschiedlichen Längen abgestuft (um Verjüngung zu erzeugen)

  • Starkes Binding zwischen Griffgrundlage und Peitschenkörper (Transition)

  • einzelner geflochtener Bellie mit Transition Bindung (verhindert ein abknicken am Übergang und verbessert das handling

  • Overlay

Die Variante mit geflochtenen bellies kann auch so aufgebaut werden nur dass alle Schichten der Peitsche geflochten sind.

Unterschiede:

In der Regel empfinden viele die Singlebellie-Variante als „weicher, flexibler“ oder auch „wabbeliger“

Bietet sich besonders an für kurze Bullwhips (3 oder 4ft).

Meine Ansicht/Methode

Beide Varianten können super schön ausrollen. Dennoch bevorzuge ich das Gefühl einer Whip mit geflochtenen Bellies.

Das Zeitersparnis bei der Herstellung einer Single Bellie Bullwhip aus 550 Cord, im Vergleich zur geflochtenen Bellie-Variante fällt für einen geübten Flechter nicht sonderlich ins Gewicht.

Transition-Binding:

Es ist wichtig den Übergang zwischen Griffstück und Peitschenkörper vor abknicken zu schützen. Daher ist eine gründliche Bindung nötig. Man sollte sich hier nicht auf die Festigkeit der Flechtung verlassen. Zusätzlich kann das Binding die Laufeigenschaften, Präzision und allgemeines Handling deutlich verbessern. Dazu gibt es auch unterschiedliche Vorlieben, Meinungen und Erfahrungen. Manche bevorzugen ein langes Binding, manche ein kurzes, ein besonders straffes, ein weicheres. Hier gibt es kein richtig oder falsch, hier entscheidet der Geschmack und wie die Whip laufen soll.

Auch könnte das Empfinden kaum unterschiedlicher sein. Manche empfinden Whips mit langem Binding als zielgenauer wenn es um Targeting geht, andere schwören auf das Gegenteil. Manche mögen Whips die wenig Binding haben. Diese Whips empfinde ich als Anfänger-Unfreundlicher, schwerer zu kontrollieren. Aber letztendlich funktioniert alles worauf man sich eingeübt hat.

Sonderformen wie etwa Stahlkabel anstatt oder zusätzlich des Bindings sind auch möglich und funktionieren.

  • Verringert den Arbeitsaufwand

  • Peitsche gibt weniger Laufrichtung vor

  • kann schnell schwer werden


Meine Ansicht/Methode

Ich würde immer eine Whip mit durchdachtem, auf den Whiptyp angepassten Binding bevorzugen. Eine Bullwhip mit gutem Binding rollt einfach schöner und eleganter ab und beeinflusst das ganze handling positiv. Bullwhips mit Stahlkabel als Transition können auch schnell mal zu schwer für den einen oder anderen sein. Außerdem finde ich, dass ich der Whip durch mein Binding bestimmte Eigenschaften zuführen kann.

Jeder wie er mag.

Ein Faktor den man nie außer Acht lassen sollte, ist die Länge des Griffes bei der Wahl der Bindung.

Materialien für das Binding:

Als Bindingmaterial kommen im Peitschenbau mehrere zum Einsatz und diese haben auch unterschiedliche Eigenschaften bzw verleihen auch der Whip unterschiedliche Eigensachften zb:

Nylon/Netzgarne:

etwa in der Stärke von 0,8mm eignen sich sehr gut für ein Binding.

  • Es bleibt sehr flexibel

  • perfekt für leichtere und kürzere und schnellere Whips

  • Die Transition bleibt schön „sprunghaft“

  • Kann gut kombiniert werden mit anderen Materialien

  • relativ glatt/rutschig und daher am Anfang des Bindings bisschen zickig

  • kommt meist ungewachst

  • das Binding nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch

  • eher rundes Material

Dyneema-garn

  • extrem reisfest

  • ähnliche Eigenschaften wie Nylongarn


Kunstsehne und Dacron:

Beides in der Regel aus Polyester aber dennoch unterschiedlich. Kunstsehne besteht im Gegensatz zu Dacron (oder genauer gesagt:Lacingtape) aus vielen feinen Fäden. Beide sind gewachst erhältlich.

  • Weniger elastisch (Dacron noch weniger als Kunstsehne)

  • gut kombinierbar

  • lässt sich toll verarbeiten dank des Wachses

  • flach und breiter als Garne

  • Sehne ist aufspleißbar

 

Meine Ansicht/Methode

Allesamt nützliche Materialien. Je nach dem, welche Eigenschaften die Whip am Ende haben soll. Richtig eingesetzt, bringt eine Kombination hervorragende Ergebnisse.


Grifffundament-Material

  • Dicke Stahlnägel (meist für American/Indy Style Bullwhips)

  • Feder-Rundstahl: Verbiegt sich nicht so schnell und ist perfekt für schlankere Whips geeignet

  • Carbon: Für ultraleichtbau-Modelle oder für Hybridwhips

  • Fiberglas: für leichte Bullwhips mit flexiblen Griffen, aber auch ohne flex


Meine Ansicht/Methode

Ich persönlich bin Fan von schlankeren Bullwhips, was sich auch in meiner Bauweise widerspiegelt. Ich versuche daher stets von Anfang an die Whip schlank zu halten. Für Bullwhips nutze ich nur Federstahl und Fiberglas.

Tape

...ist wohl DAS Material was immer wieder heiß diskutiert wird. Die einen lehnen es grundsätzlich ab, andere preisen es an und dann gibt es dazwischen noch die Fakten, die zeigen dass alles nur halb so schlimm ist aber auf der anderen Seite auch unnötig sein kann.

Tapes als Ersatz eines Bindings ist ein ziemlich alter Hut und kein ernsthafter Whipmaker glaubt, dass das funktioniert. „Überraschung“ es funktioniert nicht. Egal um welche Art Tape es sich handelt, früher oder später reißen oder brechen diese Bänder und das Ergebnis ist eine Whip, die am Griffübergang abknicken wird und somit ein Fall für die Tonne ist.


Hockeytape

Ich gehe jetzt nur auf Hockeytape ein da ich hierzu die meiste Erfahrung sammeln konnte und mich gleichzeitig am meisten mit anderen Whipmakern über diese Art Tape ausgetauscht habe.


Wird oft benutzt für:

  • Haftvermittler zwischen dem Blanken Stahl, Fiberglas, Carbon etc. und dem ersten Bellie

  • Grundlage für das Binding für mehr Haftung des Garn, Sehne etc.

  • Grundlage für die abschließenden Knoten am Griffende und Übergang-Knoten

  • Komplettes „Bolster“ zwischen den Bellies


Meine Ansicht/Methode

Die ersten 3 Punkte habe ich ausprobiert. Mit nichts davon gab es jemals auch nur ein einziges Problem. Das deckt sich auch zu 100% mit den Erfahrungen anderer Whipmaker.

Aber mittlerweile erachte ich bis auf den ersten Punkt diese Anwendungen für überflüssig. Ich bin der Ansicht, „was mir nichts bringt, kann ich auch weg lassen.“ Tatsächlich funktioniert das meiste auch ohne Tape sehr gut. Aber die Grundlage, das Fundament für alles, muss einfach stimmen. Schludert man hier, ist alles weitere im Zweifelsfall für die Katz. 

Warum Hockeytape

Es geht lediglich um das Fundament und dies auch nur bei Nylonpeitschen. Federstahl, Fiberglas, Carbon u.A besitzen eine glatte Oberfläche. Paracord besitzt auch eine eher glatte Oberfläche und jeder sollte sich ausmalen können, was passiert wenn glatt auf glatt trifft. Im schlimmsten Fall könnte das einen instabilen Heelknot zur Folge haben. Das wird ziemlich aufwendig, dies zu beheben. Auch bringt weder das anschleifen des Materials, noch die Verwendung von Gewindestangen die Lösung. Es bleibt glatt und/oder ein scharfes Gewinde kann das Material beschädigen. 

Was macht Hockeytape so besonders für diesen Zweck, ganz einfach: Hockeytape besteht aus Gewebe mit einer starken Klebeschicht aber der eigentliche und wichtigste Effekt passiert nach dem Wachsvorgang am Ende. Das heiße Wachs durchdringt das Tape und löst den Kleber an. Dieser legt sich nun auch auf die äußere Schicht des Tapes. Das hat zur Folge dass noch mehr Grip zwischen Fundament und erstem Bellie entsteht. Und Nein, es hat keine negativen Auswirkungen auf die Whip. Der angelöste Kleber kommt nichtmals durch die erste Bellieschicht und wirkt nur zwischen Fundament und der Unterseite des ersten Bellies. Sogar wenn man deutlich mehr von den Tapes verwendet, passiert rein garnichts an der Außenseite der Whip. 

Natürlich darf jeder gerne wählen, „will ich das bestmögliche Fundament und damit den sichersten Aufbau“? oder will man stolz verkünden „hier ist kein Streifchen Klebeband enthalten“?

.Was mich zum nächsten Punkt führt...

logisch VS ideologisch

Als Peitschenmacher hört oder liest man immer wieder „dieses und jenes hat in einer Whip nichts zu suchen“... Sagt wer? Auf welcher Grundlage denn? Wo sind denn die Fakten für solch eine Aussage? Kleiner Spoiler an diejenigen, „Whipmaker XY hält garnichts von Klebebändern“.. ist auch nur eine Meinung und steht nicht über den tatsächlichen Fakten.. Auch wenn man es 100 Mal wiederholt, das macht es nicht zum Fakt.

Meinung ist jedem freigestellt. Ist die Meinung auch auf Fakten basierend, wäre diese sogar etwas wert. Ansonsten ist man ganz schnell bei „viel Meinung, wenig Ahnung“ angelangt.

Die Fakten schaffen echte Handwerker indem sie Dinge praktisch ausprobieren.

Die erste Frage an einen Whipmaker sollte also definitiv nicht sein

Ist da Klebeband drin?“ Das ist Schwachsinn!

Nein, die erste Frage sollte immer lauten „Wie wurde etwas gemacht“.

Ich persönlich bin kein Fan von Electrical oder Panzertapes. Aber wenn mir ein Whipmaker versichert dass er dies nur für dies und jenes benutzt, die Whip ein vernünftiges Binding aufweist und toll läuft., was interessiert mich dann, ob da so ein Streifchen Tape drin ist.. Hier sollte man die Kirche doch mal wieder im Dorf lassen.

Dennoch gibt es auch ein paar Scharlatane, die ihren ganzen Aufbau im Inneren zukleistern mit Tapes. Paketbänder, E-Tapes und was ich nicht schon alles sehen musste. Meistens erkennt man diese Whips daran, dass sie nach kurzer Zeit an etlichen Stellen entlang des Thongs knicke aufweisen oder direkt am Griffübergang wegknicken.

Damit ist relativ wenig anzufangen, so leid es mir für den Käufer tut.

 

Mehr folgt.